Bettgeschichte

Leih mir deine Schulter
Mein Kissen ist kalt
Bei dir ist es wärmer,
das fühle ich bald.

Leih mir deine Arme
Halte mein Herz
Denn deine zwei Arme
sind gut gegen Schmerz

Meine Decke ist dünn
Deck du mich zu
Die wärmste und weichste
der Decken bist du

Drücke mich fester
Ich drücke dich auch
Schling meine Arme
Um deinen Bauch.

Lass mich bei dir ruhen
Ruh du bei mir
Nah bei einander
Wir zwei, das sind wir.

Barfuss

5.11.2017

Seit dem Juni dieses Jahres gehe ich immer häufiger barfuss. Ganz dem Cliché entsprechend meldete sich meine Seele. 

Atmen und schreiten
Gehen und fühlen 
werden eins auf dem Weg.

Kühl und weich
der laubbedeckte Weg.
Achte auf Geröll und Tiere! 

Die Seele geht mit
im Rascheln.
Auf weichem Waldgrund
atmet sie Schritt für Schritt. 

Die Mitte ertasten

Heute, mit den zerbröselnden Lendenwirbeln, bekommt dieser Text neue Aktualität.

7.11.2017

Fuss um Fuss,
die Zehen voran,
ertaste ich
auf dünnen Sohlen
den Weg unter mir.

Gehen
hält mich
senkrecht
aufrecht
schwingend
um die Achse vom Zenit zum Erdmittelpunkt.

Sofern nicht der Lärm
in den Ohren
und den Gedanken
die Muskeln verhärter.
Sofern nicht der Schmerz
die Balance zerzaust.

Sofern ich mich einlasse
in Schritte
auf Kies und Gras
auf Hitze und Nässe.
Sofern ich mich einlasse
auf mich.

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Erklärung: Tatsächlich gehe ich fast immer auf dünnen Sohlen, da ich, wenn nicht barfuss, dann in „Barfussschuhen“ gehe. Barfussschuhe haben dünne flexible Sohlen und man fühlt viel vom Weg.

Die Mitte des Kompass

7.11.2017

Es gibt einen Ort in mir, an dem alles still und ruhig ist. Still, weil dort keine lauten Stimmen zu hören sind. Ruhig, weil sich nichts bewegt und mich mitreissen kann. 

Es ist die Mitte. Die Mitte des Kompass zum Beispiel. Wenn du dort stehst, bist du am Nordpol. Oder am Südpol. Oder an deinem eigenen Pol, den kein Mensch erreichen kann ausser dir. Und Gott, falls du an einen glaubst.