Weiter liegen / Textil 6 / Himmelspferde

Seit bald fünf Wochen liege ich. Aufstehen geht für 10 Minuten, dann wird gebüsst: Schmerzen.

Lange ist meine Laune stabil geblieben. Ich habe Projekte fertiggestellt und neue angefangen. Hörbücher in rauen Mengen durchgehört und ATC Karten gezeichnet.

Kurzer Poncho, unregelmässig gestreift in gelb, hellblau und dunkelblau.
Handgesponnen aus Wolle vom Coburger Fuchs Schaf

Und jetzt ist genug. Meine Laune liegt schief. Werkeln ist nett, es hält mich über Wasser. Aber jetzt will ich meinen Alltag zurück.

Die Hundespaziergänge durch den Wald, Pflanzen entdecken, Begegnungen mit den Nachbarn, Weben, Kochen, den Garten für den Winter richten.

Was ein bisschen für Auftrieb sorgt, sind die kleinen Aktionen der #kleineKunstklasse auf Twitter. Da ich bildnerisch überhaupt nicht geübt bin, suche ich nach einem Stil, bei dem das nicht so auffällt. Das fordert ein klein wenig, tut gut.

Kartonschachtel randvoll mit aufgerollten Wollfasern. Die einen weiss-orange leuchtend, die anderen tief dunkelblau schimmernd.
Kardierte Wolle in Bats

Bei dem Gejammer vergesse ich glatt die Freuden: Spinnfutter ist gekommen. https://thewyrd.one/ hat eine ordentliche Menge für mich kardiert, damit es für einen weichen Pullover reicht.

Ausserdem ist da der Faseradventskalender. Ich hoffe bloss, dass ich sitzen kann zum Spinnen.

Schnur, an der 24 verschiedene Papiertüten hängen
Adventskalender

November

Hochformat, Farbstift und abgerissener Ausschnitt eines Kalenderbildes. Ober rechts unscharfes Foto eines rotbraunen Buchenblattes, darunter schwarze Schatten und ein sehr kleiner Teil eines grauen, nassen, weiss spiegelnden Steines.
Farbstift: Grosses beigebraunes Buchenblatt von oben links nach unten rechts. Dahinter quer versteckt ein zweites Blatt. Unten Flächen in schwarz, grau und weiss.
November, Collage, ATC Tauschkarte
Boden
Zum Betreten
Blicklos vorüber gehen
Doch ein Fuss steht still
Ein Auge findet ein Wunder

Mein häufigstes Zeichenformat ist A6. Ich bin keine ausdauernde Malerin und eher Zeichnerin. Am liebsten mische ich Techniken. Das Artist-Trading-Card Format (Fussballbildli) kommt mir entgegen. Besonders, weil gerne ausprobiere.

Hoffnung oder Verheissung

So. Heute bekomme ich eine Spritze zwischen die Wirbel, bzw. deren Inhalt. Dann soll es besser werden.
Hoffnung oder Verheissung?

Trügerische Verheissung

Trügerische Verheissung
säht Hoffnung
und erntet Enttäuschung
Verspricht Lösung
und erntet Verhärtung
verspricht Heilung
und erntet Verzweiflung
Auf einem braun grünen Eichenblatt liegen rosa, beige, eine bordeauxrote Galle. Grösse einer Linse aber in flacher Hütchenform.
Linsengallen, neuroterus quercusbaccarum

Währung der Hoffnung

Rosa Münzen
Währung der Hoffnung
Zartes Hoffen
Leben und Zukunft
Hoffen in meiner Hand
Lose Linsengallen in meinem Handteller

Rote Frau

https://traumraumgalerie.wordpress.com/2022/11/04/alice-alilicj/

Mit der traumraumgalerie konnte ich eine ATC Karte tauschen, die ausgestellt wurde. Das erste meiner Produkte, das ausgestellt wird!

Ich bin bildnerisch mittelmässig begabt, meinen Werken kann man ansehen, dass ich mir Mühe gegeben habe. Trotzdem versuche ich es immer wieder. Weil es Spass macht. Weil ich Grenzen nicht einfach so hinnehme.

Rote Frau, ATC getauscht. Foto eines medizinischen Kniemodells

Was in meinen Werken sichtbar wird, sind Gefühle und Befindlichkeiten: Schmerz durch akute oder chronische Erkrankungen, Trauer und mehr. Die schönen Empfindungen finde ich schwieriger darzustellen.

Liegen / Textil 5

Zwanzig Stunden liegen soll ich. Täglich.

Eine angeschlagene Bandscheibe hat meine Covid-19 Erkrankung vom Oktober zum Anlass genommen, sich zu entzünden.

Dennoch

Neugierig bleiben
Sich wundern
Sich freuen

Erst recht
das Land entdecken
innerhalb der Grenzen

"Tiefer hinein
Höher hinauf"*



*C.S. Lewis, Narnia, der letzte Kampf

Im Nichtstun bin ich denkbar schlecht. So ist mein Bett mit Projekten und Zubehör angereichert.

Auf einer Unterlage hält eine Hand einen Bandwebstuhl, senkrecht fotografiert, darum kaum erkennbar. Unten das angefangene Band in hellgrün und gelb mit Randstreifen in petrol. In der Mitte ein Webschiffchen mit gelbem Garn, oben Brettchen, in denen die Fäden eingezogen sind. Alles liegt auf dem Schoss, die Beine sind auf einem Kissen hochgelagert.
Bandwebstuhl mit Brettchen

Plötzlich diese Lust zu spinnen. Ausgerechnet! Im Bett? Und alle 30cm aufwickeln?

Da fällt mir ein, dass es erst kürzlich in der Handspinnerey von chantimanou.de ein Video zu „unterstützten Spindeln“ gab, also Spindeln, die nicht hängen, sondern auf einer Unterlage laufen. Mir schien das äusserst schwierig, ein Projekt für frühestens nächstes Jahr.

Nächstes Jahr? Jetzt habe ich Zeit im Überfluss und kann Abwechslung brauchen – lass es mich versuchen!

Links neben dem Oberschenkel hält die linke Hand eine Spindel, die in einer Glasschale steht. Der gelbe Faden ist unten als Knäuel auf die Spindel gewickelt, dann um den Spindelstab nach oben, schliesslich geht er oben schräg nach rechts weg.
Unterstützte Spindel

Zu meinem Erstaunen ist mir ein halbwegs gleichmässiger Faden gelungen. Stabil ist er noch nicht, aber ich übe weiter!

Zwischen
Stillhalten und Aktivismus
Innehalten und Aushalten
Sammlung und Ablenkung
Zwischen
Hoffen und Verzweifeln

Dem Verzweifeln schiebe ich schnell den Riegel, Handarbeiten zu einem Hörbuch lenkt wunderbar ab.

Der Winter kann kommen

Heute wurde das Holz gebracht. Das gibt viel Sicherheit.

Grosser, grüner Kachelofen mit altrosa Sitzbänken links und rechts. Ein Spinnrad hinten links und Holzlatten eines Webrahmens. Unter den Öfen sind kleine Gewölbe mit Holz gefüllt.

Ich habe mein Leben lang bloss Radiatoren auf- und zugedreht. Über mehr brauchte ich nie nachzudenken. Meistens wurden sie zugedreht, da es überall zu warm war.

Nun leben wir komfortabel zwischen zwei geheizten Häusern und können selbst entscheiden, wie warm wir es haben wollen und wieviel wir für die Wärme arbeiten wollen.

Das alte Haus macht glücklich.

Es laufen etliche Ungereimtheiten ausserhalb, aber im Haus ist es Zu-Haus. Das tut gut.