Kartoffelküsse

Der Rabe auf dem Sportplatz schnappt sich eine Chipstüte und wirft sie zornig in die Luft. Nichts mehr drin. Aber fünf Schritte weiter liegen salzigscharfe Brosamen – oder eher Chipsamen? – an einem Haufen.

Der Rabe pickt und pickt. Dann krächzt er laut und fliegt in die Wiese. Er schimpft auf die Frau mit Hund, die ihn bei seiner Mahlzeit unterbrochen hat.

Kartoffeln sind gesund, sagen die Menschen. Aber nicht so salzig und nicht frittiert. Sie behaupten auch, dass Salz für Vögel schlecht sei. Wollen sie die Vögel auch noch bevormunden? Reicht es nicht, dass sie einander fortlaufend klar machen, was wem gut tut und was warum nicht?

Raben lassen sich nicht bevor-munden. Sie krächzen ohne Blatt vor dem Mund und fressen was vor den Schnabel fällt und gefällt. Schliesslich ist am Bach Wasser genug, sollte man Durst bekommen.

Der Rabe schwenkt anzüglich seine Schwanzfedern, stolziert um seinen Schatz herum und kontrolliert die Siedlung, ob etwa jemand seinen Reichtum bemerkt habe. Eine andere Rabendame zum Beispiel. Rabendame?

Seine Herzensdame sitzt auf dem Nest und brütet. Zeit, sie abzulösen und Gelegenheit ihr ein Stück Kartoffel als Gruss mitzubringen. Oder als Kuss. Als Kartoffelkuss.

7 Gedanken zu “Kartoffelküsse

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