Elfte Raunacht

Dankbarkeit

Früh morgens. Einige Schritte mit dem Hund. Ein weites Tal neben der Sarine.
Auf dem Cousimbert liegt Schnee.
Bussarde schreien. Es hallt aus dem Wald.
Der Fuchs rennt heim.
Weit oben am Himmel ein Flugzeug in der rosa Morgensonne.

Dankbar für die Familie mit den Festessen an langen Tafeln mit Geschwistern und Schwiegerfamilien, mit den Kindern, Nichten und Neffen. Man liebt und neckt sich und führt hin und wieder tiefe Gespräche.

Dankbar, dafür, dass ich mit meinen Beschwerden in diesem Land leben kann, wo ich Medikamente, Hilfsmittel und Versorgungsmaterial problemlos erhalte.

Dankbar, dass für alles, was ich noch kann und dass immer noch genug Neugier übrig ist, um Neues auszuprobieren.

Danke.

Zehnte Raunacht

Achtsam sein

Den Tag beginne ich mit einigen Minuten des Sitzens. Ich sitze mit mir alleine am Kopfende des Bettes, mit mir und Gott.

Einige Gedanken notieren, Kaffee.

Auf dem Arbeitsweg die Vögel,
Meisen, der Kleiber und der Grünspecht,
die Wachholderdrosseln, der Eichelhäher.

Noch ist die Achtsamkeit bei mit.

Doch als ich die Tür zum Arbeitsplatz öffnete, war sie verschwunden.

Neunte Raunacht

Verzeihen

Verzeihen, loslassen.
Nachtragen macht dich fertig.

Soll doch jedes seinen Mist
sich selber nachtragen.
Ich trags nicht.

Wenn es sehr weh tut,
hängen sich Schmerz und Entäuschung
wie Kletten an mich.

Es dauert, bis ich mich befreien kann
von dem, was zwar mein Schmerz,
aber anderer Menschen Last ist.
Lass los, befrei dich,
verzeih!

Was ich dagegen sehr gerne nachtrage, sind die kleinen und grossen Wunder, mit denen mich Menschen überraschen. Die posaune ich gern laut in die Welt hinaus.

So bleibt mein Glas immer gut gefüllt. (Vgl. Entscheidungen )

Achte Raunacht

Entscheidungen Treffen

Alte Entscheidungen werden aufgefrischt.

Mein Glas wird weiterhin halbvoll bleiben. Zur Not greife ich zu einem kleineren Glas.

Ich übe weiter, meine persönliche Geschwindigkeitsbegrenzung einzuhalten, sofern ich sie wahrnehme. Ab und zu darf ich freiwillig, freudig und übermütig über die Schnur hauen.

1. Januar 2020

Siebte Raunacht (1)

Werte und Ziele

Aufrichtig sein

Dieses Jahr bewege ich mich durch den Wechsel von Fest- und Arbeitstagen, von Alleinsein und Familiengewühl mit einer geschäftigen Sachlichkeit. Ich mache mir zwar Gedanken abends in den rauen Nächten, aber nicht berührt wie in anderen Jahren.

Dieses Jahr muss nicht sein, wie andere Jahre. Ich muss mich nicht fühlen, wie in anderen Jahren.

Und während ich diesen Worten nachhänge, wird mir bewusst, wie müde meine Gefühlswelt geworden ist, vom Auf und Ab der vergangenen Monate.

Ob ich mich in diesen Tagen verschliesse, um zur Ruhe zu kommen? Und wenn? Dann habe ich es wohl nötig und erlaube mir Abstand.

Eigentlich wollte ich ein paar schöne und aufrichtige (wenn auch poetisch verschlüsselte) Worte zum Aufrichtig sein schreiben, dazu Bilder, die zu meinem Thema passen. Nun ist es anders gekommen. Aus Versehen habe ich aufrichtig und unverschlüsselt erzählt.