Es ist Frost angesagt

Es ist Frost angesagt
diese Nacht
diese Woche
Frost

Es ist Frost angesagt
dem Boden
der Hütte
diese Nacht
diese Woche
Frost

Es ist Frost angesagt
dem Gehölz
und Gebein
dem Boden
der Hütte
diese Nacht
diese Woche
Frost

Es ist Frost angesagt
deinem Leib
deiner Seele
dem Gehölz
und Gebein
dem Boden
der Hütte
diese Nacht
diese Woche
Frost

Ein Beitrag zur Lyrikwoche #lyrimo

Was ich suche …

… ist nicht das Teebesteck,
das goldene mit den Rosen.

… ist nicht die Kochkelle,
die hölzerne mit dem Loch.

… ist nicht der Pinsel,
der breite mit Flecken am Stiel.

Was ich suche,
das finde ich nicht.

Was ich finde,
suche ich gar nicht.

Die Knoblauchpresse, der Trüffelhobel, die Kochstäbchen aus Japan,
der Apfelstecher, die Muskatreibe – und was sollen hier bloss die Stifte?

Ich suche bloss einen Faden.

Einen Faden zum Binden,
was zusammen gehört.

Einen Faden zum Finden,
wo es weiter geht.

Einen roten,
wenn ich wünschen darf.

Ich suche den roten Faden.

Eine offene Küchenschublade mit den aufgezählten Gegenständen und mehr, alles durcheinander geworfen. Auf der schwarzen Ablage liegen die vergoldeten Löffel, unscharf auf dem dunkelgrauen Steinboden ein roter Faden.

Hinter dem Vorhang

Hinter dem Vorhang war einmal
vor langer, langer Zeit
ein Tor zu einem Königreich,
nur ein, zwei Schritte weit.

Willst du hinein, so mach dich klein,
für Grosse ist kein Raum.
Das Tor zu diesem Königreich
liegt zwischen Blatt und Baum.

Schlüpf durch den Vorhang, schlüpf hindurch,
du brauchst nicht ängstlich sein.
Frau Rotkehlchen ist Königin,
du wirst Prinzessin sein.

Hinter dem Vorhang findest du
bis heut in unsrer Zeit
ein kleines Tor für kleine Leut
nur ein zwei Schritte weit.

Senkrecht drei Streifen: rechts ein Vorhang aus gelben und grünem Buchenblättern an den Ästen der Hängebuche. In der Mitte der dunkle Stamm der Buche, im Hintergrund vor hellem Himmel goldbraune Birkenblätter

Hängebuche am Eingang zum Friedhof

Beitrag 3 zum Lyrikmonat #lyrimo

Pilgern mit Handicap

Kann man mit Handicap pilgern?

Es kommt drauf an.

Zwischen  zwei Abhängen eine Treppe aus Naturgestein . Eine Frau mit grossem Rucksack und Wanderstöcken geht aufwärts .
Auf den Jakobsweg im Oktober 2019

Heute beginnt gewissermassen meine Pilgerreise, aber lest selbst:

Vor einem Jahr habe ich angefangen, mein Pilgern als „Pilgern mit Handicap zu bezeichnen. Damals konnte ich noch etwa vier Stunden täglich gehen. Heute sind es nur noch zwei, maximal drei Stunden. Ausserdem darf ich nicht mehr als fünf Kilogramm tragen. Da ich medizinische Versorgung mittragen muss, ist ein Rucksack von 5kg völlig unrealistisch.

Meine Pilgerreise beginnt heute, weil ich einen sogenannten Rucksackwagen bestellt habe. Das ist ein kleiner Anhänger, den man mit dem Rucksack belädt und sich um die Hüfte schnallt. Wandamigo heisst er.

Ich freue mich! Damit muss ich das Pilgern nicht aufgeben, sondern ich kann es meinen Bedingungen anpassen.

Pilgern mit Handicap? Ja, wenn man seine Ansprüche mit dem Handicap in Übereinstimmung bringt.

Allerdings …

Allerdings kann ich mir einfach nicht vorstellen, mit meinem Mann und dem Pudel zwei Stunden zu wandern und dann – nichts weiter. Darum haben wir entschieden, dass wir einzeln pilgern. Mein Mann geht mit dem Pudel sein eigenes Tempo. Ich gehe mit der Karre meines. Wir sind zwar zusammen unterwegs, aber nicht am selben Ort.

Auf das alleine unterwegs sein freue ich mich auch. Die vielen Eindrücke der vergangenen Wochen, die Müdigkeit, die Reizüberflutung – alles zurücklassen und allein sein: Ich freue mich.

Alpweide mit schmalem Pfad.  Vor dem Himmel ein Mann mit Rucksack, auf dem Weg ein schwarzer Pudel,  der zur Fotografin zurückschaut.
Den Gatten mit dem Pudel zufrieden ziehen lassen.

Was ich für den Tag brauche

Wie ich mir am Morgen den Mut für den Tag einpacke. Tweets am Morgen von @alilicj@twitter.com

Ich packe in meinen Rucksack einen Sonnenhut, eine Handvoll Gelb und Gold für die Laune, ein Buch und neue Wörter.

Collage aus Bildern mit gelben Blumen

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Ich packe in meinen Rucksack ein Jäckchen gegen den Wind, einen Drachen für den Wind und etwas Himmel als Notvorrat. Ein Buch? Ein Buch ist immer gut.

Collage aus vier Bildern mit etwas Horizont und Himmel

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Heute packe ich in meinen Rucksack ein kleines Glück, Erdbeeren für meine Schwester, etwas Rot, um das Herz zu wärmen, Rosa für ein sanftes Gemüt und ein Quentchen Genuss.

Collage aus vier Bildern: Ein vierblättriges Kleeblatt, Erdbeeren, ein schwarzer Pudel, der an einer Erdbeere nascht und ros Rosen am Strauch

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Ich packe in meinen Rucksack eine grosse Kanne Tee, eine grosse Tüte Geduldmit Zucker, eine freundliche Musik, Nadel und Faden, um meine losen Teile zusammenzuflicken.

Gestrickte und gehäkelte Quadrate in bunten Farben

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Ich packe in meinen Rucksack Birkenrinde und Mädesüss, eine feinen Tee und nochmals gezuckerte Geduld.

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Ich packe in meinen Rucksack einen Sonnenhut, Bleistift und Gummi und eine kleine Glocke für die Pünktlichkeit.

Heute bin ich in den Tag gestolpert ohne den Rucksack zu packen. Aber das Wichtigste habe ich dabei: Einen Regenschirm.

Ich packe in meinen Rucksack Farbstifte, ein Wörterbuch und ein Paar Flügel.

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Ich packe in meinen Rucksack eine Pillendose, ein Kissen und besonders wichtig: Jasskarten für den Familienjass.

Gedanken ordnen

Normalerweise ordne ich meine Welt mit Wörtern. Was in Worte gefasst ist, verliert seinen Schrecken. Es ist gefasst, wie ein Stein in Schmuck. So lose flattern mir Gefühle und Gedanken um die Ohren. In der Corona Zeit sind mir sogar die Worte durcheinander geraten.

Dann helfen mir Handarbeiten. Beim herstellen von schönen Sachen sind die Gedanken beiden Händen und beim Material. Glas, Garn, Stoff, Holz, Metall Papier oder einfach Farben.

Hasel- und Birkenkränze, rundes Gewebe „Weltbild“ in Arbeit

Jeder Stich jeder Strich, jeder Tupfer bekommt Bedeutung. Abstrakt oder symbolisch. So verliere ich mich weniger. Etwas ausprobieren und herstellen ist meine Therapie, es ist ein Aufräumen in der Seele.

Baumperle in eine Wollkugel gefilzt (in Arbeit) in einem selbst hergestellten Tongefäss.

Dabei entsteht, zugegeben, in der Wohnung viel durcheinander. Aber das Durcheinander der Dinge scheint mir weniger gefährlich, als das Durcheinander in der Seele.

Vielleicht lerne ich noch mit der Innenwelt auch die Aussenwelt zu ordnen. Oder ich nutze das Ordnen der Aussenwelt gleichzeitig für das Ordnen der Innenwelt.

Bandweben, in Arbeit