Wer bist du

Impuls 16: Flickengedicht aus Rilkes Schutzengel

Der Vogel, der erwachte in der Nacht und rief:
den Namen in den Abgrund, tausend Nächte tief.

Er war am Anfang schon. Ich wurde langsam
und bang vor seiner Schönheit, scheu und unsichtbar.

Er hat mich oft gerufen, aus dem Verlorengehen und Fliehn.
Du: voll von Wundern und von Wissen, voller Melodien.

Du Vogel, unter dessen Flügeln
ich warm und sicher werde:
Erlaubst du, dass ich frage?
Wie heisst du?

Glaubensbekenntnis

Wenn jemand sagt: „Ich glaube an dich.“ Oder: „Glaube an dich!“

Was ist damit gemeint?

Klingt irgendwie nach Leistung, nach „du schaffst das“. (Eine Prüfung, eine Aufgabe, einen Wettkampf oder so.)

Ziemlich oberflächlich.

Ich glaube, dass ich den Alltag bewältigen kann, dass ich die Tage beginnen und beenden kann in aller Schwachheit.

Ich glaube, dass ich den Weg zu mir selber und zu Gott immer wieder finden werde und daran, dass ich diesen inneren Weg auch gehen kann. Schritt um Schritt.

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Bild: Eine bearbeitete Seite aus: Elena Brower, entdecke dich, Das Achtsamkeits-Journal

Reisen

Reisen beginnen mit dem Verlassen. Du lässt die bekannte, sichere Umgebung hinter dir.

Die Unsicherheit beginnt beim Packen. Was brauche ich alles, um mir Sicherheit vorzugaukeln?

Ich bin wohl ein unsicheres Wesen. Das ganze Sammeln, Fotografieren, Dokumentieren dient doch nur als Geländer im auf und ab der Zeit. Nur?

Was gestehe ich mir zu, was nicht?

Aufbruch. Die Front zieht ab und gibt den Weg frei.

Chronisch gegen den Strom

Oft wird unterschätzt, wieviel Energie es braucht, in miesen Lagen positiv zu bleiben.

Du bist krank, chronisch krank. Hast Schmerzen oder andere Unpässlichkeiten (Brennen, Jucken, Zittern und so weiter), schleppst Behinderungen mit dir herum.

Deine Gefühle und dein fehlendes Wohlbefinden sind ein Fluss mit starker Strömung. Du schwimmst dauernd dagegen an. Du willst positiv bleiben.

Das macht müde. Das erschöpft.

Trotzdem willst du dich am Leben freuen.
Versauern ist keine Lösung.
Leiden frisst Energie.
Dagegen Anleben auch.

Du wirst doppelmüde.

Dennoch, was ist besser? Leiden mit mieser Laune und elender Stimmung oder Leiden und dem Schmerz die kalte Schulter zeigen?

Leiden und hingehen, um Spass zu haben.

Leiden und hingehen, um das Leben, das übrig ist, zu geniessen.

Dann,
ab und zu
holt es dich ein,
dein Leid.
Du magst nicht mehr
tapfer sein
trotzdem lachen
Gute Mine zum bösen Spiel machen
Du bist müde.
Doppelmüde.

Genug.
Es ist Zeit für eine Pause
im Kampf gegen Leid
im Kampf für das Leben.

Es ist Zeit
für Trauer und Wut
für Tränen und Schluchzen
für Schreien und Weinen.

Bis ausgeweint und ausgetrauert ist.
Bis sich Hoffnung und Lebenslust
wieder aufgerappelt haben.

Dann lass uns hinreiten und Pferde stehlen!

PS: Für mich hiess Pferde stehlen diesen Herbst, dass ich mit Ileostoma und trotz Arthritis und Arthrose 100km auf dem Jakobsweg gegangen bin. Mein Weg. Mein Tempo. #pilgernmithandicap

Sinn

Der Sinn des Lebens.
Eine grosse Frage.
Umkehrfrage:
Wo oder wie kommt uns der Sinn unseres Lebens abhanden?

Eile
immer schneller

Äusserlichkeit
Schein statt sein
sein, wie die anderen
haben, was die anderen haben
Immer mehr

Ablenkung
Handy, Musik
Anderswo sein, im Telefon, im Film

Was hilft?
Wie stopfe ich die Löcher
durch die der Sinn zerrinnt?

Langsam vs Eile

Innerlichkeit vs Äusserlichkeit

Zeit mit sich selber
Zeit mit anderen
mit echten, realen, anwesenden Lebewesen

Gegenwart vs Ablenkung
sich ( wieder ein-) sammeln
Was ich im Augenblick tue, ist wichtig.
Weil das Leben jetzt stattfindet.

Jetzt.

Hier.