Vermissen

Ich vermisse das Vermissen.

Wenn ich von anderen höre oder lese (zum Beispiel bei
demenzfueranfaenger.wordpress.com oder bei @doppelleben@twitter.com), wie sie ihre verstorbenen Angehörigen vermissen, dann vermisse ich mein Vermissen.

Ich vermisse meine Grossmutter (die einzige, die ich kannte) nicht, nicht meinen Vater und werde wohl leider auch meine Mutter nicht vermissen. Das tut mir leid. Ich habe schöne und andere Erinnerungen, an sie, aber es reicht nicht zum Vermissen. Ich würde sie so gerne vermissen!

Wie ist es so gekommen? Meine jüngere Schwester und ich mussten früh emotional unabhängig werden. Die Launen der Mutter waren unberechenbar. Der Vater war in seiner Anwesenheit emotional oft abwesend. Und Omi? Ich hatte sie sehr gern. Sie war eine wohlerzogene, hoch gebildete beherrschte Frau. Sie kam aus einer anderen Welt. Das ist eine Geschichte für sich. Sie war wohl zu beherrscht, als dass sich genügend Wärme zum Vermissen hätte bilden können.

Wie auch immer. Ich lernte früh, mich einzuigeln, mich als Schildkröte in meinen Panzer zurückzuziehen. Die bindenden Fäden habe ich kräftig angeknabbert, damit es weniger weh tut. Und so gibt es heute keine festen Bindungen zu meinen Eltern. Das vermisse ich so sehr.

Ich vermisse das Vermissen.

Wenn ich dem tief nachfühle, so ist es fast das selbe wie:

Ich vermisse meine Eltern.

Aber nicht ganz. Ich vermisse die Beziehung, die wir hätten haben können.

Ich vermisse das Vermissen.

Bettgeschichte

Leih mir deine Schulter
Mein Kissen ist kalt
Bei dir ist es wärmer,
das fühle ich bald.

Leih mir deine Arme
Halte mein Herz
Denn deine zwei Arme
sind gut gegen Schmerz

Meine Decke ist dünn
Deck du mich zu
Die wärmste und weichste
der Decken bist du

Drücke mich fester
Ich drücke dich auch
Schling meine Arme
Um deinen Bauch.

Lass mich bei dir ruhen
Ruh du bei mir
Nah bei einander
Wir zwei, das sind wir.

November

1

November

vergiss nicht

deine kleinen Blüten

nachts im Regen

November

2

November

zwischen Herbst

und Weihnachten geschobenes

Mauerblümchen mit Kraft

November

3 Impuls: Birgit von Raconta, #lyrimo

Küsst

dein Mund

meine kalte Stirn

wärmst du meine Gedanken

Novembertrost

Das ist eine Mention an dich, Stephan 😘

Überraschung oder sich Einlassen

Auf dem Heimweg wollte ich noch dem weiten Himmel und die Kornfelder fotografieren. Nächstbeste Strasse rechts.

Jetzt bin ich richtig müde vor Freude.

Eine Ahnung:

Ich traue meinen Augen kaum:

Ist das real oder aus einem Bilderbuch?

Du willst einfach nur hinein gehen in dieses fantastische rot. Und ich schreite hinein und lache, kann es nicht fassen, ich lache einfach.

Ein Blick zurück, der Mohn leuchtet.

Man wird wohl den Rückweg antreten müssen, wir habe noch einen langen Weg vor uns.

Noch einmal dieses Rot einatmen …

Der Wind jagt durch die Felder, das Rot wird bald vergehen.

Ein Lob, ein Dank,

ein letzter Gruss – bye

Sinn

Der Sinn des Lebens.
Eine grosse Frage.
Umkehrfrage:
Wo oder wie kommt uns der Sinn unseres Lebens abhanden?

Eile
immer schneller

Äusserlichkeit
Schein statt sein
sein, wie die anderen
haben, was die anderen haben
Immer mehr

Ablenkung
Handy, Musik
Anderswo sein, im Telefon, im Film

Was hilft?
Wie stopfe ich die Löcher
durch die der Sinn zerrinnt?

Langsam vs Eile

Innerlichkeit vs Äusserlichkeit

Zeit mit sich selber
Zeit mit anderen
mit echten, realen, anwesenden Lebewesen

Gegenwart vs Ablenkung
sich ( wieder ein-) sammeln
Was ich im Augenblick tue, ist wichtig.
Weil das Leben jetzt stattfindet.

Jetzt.

Hier.

Alltag September – Die Würde des Montags

Und des Dienstags und des Mittwochs, des Donnerstags und des Freitags.

Der Montag steht für den Beginn der Arbeitswoche.
Das freie Wochenende ist vorbei.
Es beginnt der Lauf im Hamsterrad, der Lauf gegen die Listen und Termine.
Der Montag steht für den Beginn des Laufs gegen die Zeit, –

(Kann man gegen die Zeit antreten?)

– des Laufs gegen dich selbst.

(Kannst du je gewinnen, wenn du gegen dich selbst antrittst?)

(Hier könnte ich eine Kurve zu Entschleunigen, Achtsamkeit oder Meditation nehmen, das lasse ich bleiben.)

Der Montag steht für den Beginn der Wiederholungen der alltäglichen Mühen. „Im Schweisse deines Angesichts …“ (Bibel, Genesis 3)

Der Lauf des Lebens besteht aus der Mühe um Nahrung und Unterkunft. Täglich. Sich wiederholend. Immer wieder.

Die Kulturen fanden Wege, die Mühen des Alltags zu würdigen.

Ein Nagel, eine Rille im alten Esstisch:

Eine Borte, ein Knopf, ein neckischer Kragen am Alltagsgewand:

Eine Rille oder zwei an Schüssel und Kelle:

Mit überflüssigen Mustern und Verzierungen wurde seit Menschengedenken der Alltag gewürdigt. Denn der Alltag ist das Leben.

Der Alltag ist das Leben.

Würde dem Leben. Würde dem Alltag.

Inspiriert durch von https://cafeweltenall.wordpress.com/2018/10/19/alltag-eine-idee/ Vielen Dank!