Wegzeichen

Zeichen am Wegrand

Auf Wegen durch Raum und Zeit

Ankommen bei sich

Norwegen, 66 Grad 34 Minuten um 21:45h

Zeit und Raum verknüpft

In Schritten und Herzschlägen

Mein Raum, meine Zeit

Auf der Reise durch Norwegen hat mich die Veränderung der Tageszeiten bewegt.

Von Süd nach Nord wurden die Tage länger, die Nächte heller und nicht mehr als Nacht erkennbar.

Auf dem Heimweg nach Süden beschleunigte sich die Veränderung: Die Nacht wurde täglich dunkler.

Unsere Reise führte und nicht nur durch den Raum von Norden nach Süden, sondern auch durch die Zeit vom Sommer zum Herbst. Genau genommen ist die Reise durch die Jahreszeiten eine Reise durch den Raum, durch den Weltraum.

Raum und Zeit als voneinander abhängig wahrnehmen, hat mich bewegt. Und es hat mich eingeladen, über meine Räume und Zeiten zu sinnieren.

Neuland

Neuland betreten
auf meiner Insel,
der mit jedem Sturm
das Land wegbricht.

Neuland schwindet.

Nur oben am Berg,
der stechenden Füssen kaum Tritt
und wehen Hände den Halt
nicht gewährt.

Haltlos vor Neuland

Am Berg, zwischen Sträuchern
und Brocken von Fels
eine Spalte, gar eng,
in die ich mich zwäng.

Hoffen auf Neuland

Hinab ins Dunkel
Wo Schatten warten
und edle Steine leuchten
im Licht der Augen.

Tiefer hinein, weiter hinab

Hinab in Neuland der Seele
ins Schattenland.
Ins Land des Lichts,
wo ich bin.

Und du, Liebe.

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Impuls von Lyrische Bouquets: Neuland

lyrischebouquets.de/podcast.html

Boden von oben. Steine in rot und hell und dunkelgrau mit Moos, einem Gras und einer kleinen Pflanze mit erst wenigen Blättern.

Hinter dem Vorhang

Hinter dem Vorhang war einmal
vor langer, langer Zeit
ein Tor zu einem Königreich,
nur ein, zwei Schritte weit.

Willst du hinein, so mach dich klein,
für Grosse ist kein Raum.
Das Tor zu diesem Königreich
liegt zwischen Blatt und Baum.

Schlüpf durch den Vorhang, schlüpf hindurch,
du brauchst nicht ängstlich sein.
Frau Rotkehlchen ist Königin,
du wirst Prinzessin sein.

Hinter dem Vorhang findest du
bis heut in unsrer Zeit
ein kleines Tor für kleine Leut
nur ein zwei Schritte weit.

Senkrecht drei Streifen: rechts ein Vorhang aus gelben und grünem Buchenblättern an den Ästen der Hängebuche. In der Mitte der dunkle Stamm der Buche, im Hintergrund vor hellem Himmel goldbraune Birkenblätter

Hängebuche am Eingang zum Friedhof

Beitrag 3 zum Lyrikmonat #lyrimo

Heimat, ein Dialog

Fünfter und sechster Beitrag zu @FrauPaulchens Lyrikwoche #frapalywo im Februar 2018

Ein Doppelimpuls zu männlichen und weiblichen Aspekten von Heimat.

Vertrautes Land, vertraute Menschen,
mein Revier

Ankommen, Zuhause,
mein Klavier

Essen, entspannen,
Mauern fallen

Ruhe finden
in mir, in dir

Geschichten erzählen, Erinnerungen

Wurzeln
Geborgenheit

Barfuss

5.11.2017

Seit dem Juni dieses Jahres gehe ich immer häufiger barfuss. Ganz dem Cliché entsprechend meldete sich meine Seele. 

Atmen und schreiten
Gehen und fühlen 
werden eins auf dem Weg.

Kühl und weich
der laubbedeckte Weg.
Achte auf Geröll und Tiere! 

Die Seele geht mit
im Rascheln.
Auf weichem Waldgrund
atmet sie Schritt für Schritt. 

Die Mitte ertasten

Heute, mit den zerbröselnden Lendenwirbeln, bekommt dieser Text neue Aktualität.

7.11.2017

Fuss um Fuss,
die Zehen voran,
ertaste ich
auf dünnen Sohlen
den Weg unter mir.

Gehen
hält mich
senkrecht
aufrecht
schwingend
um die Achse vom Zenit zum Erdmittelpunkt.

Sofern nicht der Lärm
in den Ohren
und den Gedanken
die Muskeln verhärtet.
Sofern nicht der Schmerz
die Balance zerzaust.

Sofern ich mich einlasse
in Schritte
auf Kies und Gras
auf Hitze und Nässe.
Sofern ich mich einlasse
auf mich.

__________

Erklärung: Tatsächlich gehe ich fast immer auf dünnen Sohlen, da ich, wenn nicht barfuss, dann in “Barfussschuhen” gehe. Barfussschuhe haben dünne flexible Sohlen und man fühlt viel vom Weg.

Die Mitte des Kompass

7.11.2017

Es gibt einen Ort in mir, an dem alles still und ruhig ist. Still, weil dort keine lauten Stimmen zu hören sind. Ruhig, weil sich nichts bewegt und mich mitreissen kann. 

Es ist die Mitte. Die Mitte des Kompass zum Beispiel. Wenn du dort stehst, bist du am Nordpol. Oder am Südpol. Oder an deinem eigenen Pol, den kein Mensch erreichen kann ausser dir. Und Gott, falls du an einen glaubst.