Für mich/ Textil 4

Während der Therapie zur Bewältigung des Burnout habe ich wahr genommen, wie wichtig „Selbstfürsorge“ ist. Wie das konkret geht, muss ich erst lernen und üben.

Wenn ich für Familienmitglieder etwas herstelle, Glasperlen oder etwas Textiles, dann bin ich mit freundlichen Gedanken ind Segenswünschen bei dieser Person.

Nun stricke ich für mich einen Pullover. Warum nicht freundliche Gedanken über mich selber einstricken?

Skandinavisches Muster, von oben nach unten gestrickt, kurzärmlig. Die eine Farbe verläuft von Hautfarbe zu lila, die dunkle von dunkelbordeaux nach blau
Sommerpullover, Baumwolle

Mit selbstgesponnenem, noch etwas unregelmässigem Garn häkle ich mir eine Decke für Sommerabende. Nun übe ich, gute Wünsche und Freundlichkeit für mich mit einzuhäkeln.

Viereckige Decke, mit vielen Mustern von innen nach aussen gearbeitet.  Es wechseln sich naturweisse, grünrosa gemischte und violettgrün gemischte Wollen ab.
Häkeldecke

Webprojekt zwei / Textil 3

August 2020

Mutters Wolle enthält viele kleine Knäuel. Ich mische sie mit ersteigerten Knäueln und Sockenwolle zu einer Kette. Noch vor den Sommerferien 2020 habe ich sie geschärt.

Anfang September habe ich den Webstuhl bespannt, viele Fehler entdeckt, behoben und angewebt.

Es sollen ein Schal und eine Mütze daraus werden. Der Schuss ist aus einem dickern Wollgarn. Damit man die Kettfäden sieht, habe ich den Schuss doppelt genommen. Zwischendurch habe ich bunte Schussfäden eingewebt.

Experimente zum Auflockern:

Der Schal ist gewoben, es bleibt das Vernähen der vielen Fäden.

Weben / Textil 2

Da ich wegen der kranken Hände nur noch wenig Glasperlen wickeln kann, bin ich mit der Weberei einen Schritt weiter gegangen: Ich konnte den Webstuhl, den wir Schwestern meiner Mutter zur Pensionierung geschenkt hatten, abholen. Er steht jetzt im Hobbyraum des Gatten. Nun können wir gemeinsam werkeln dort unten.

Das Zusammenbauen ohne Anleitung klappte recht gut. Schwierig wurde das Einhängen der Schächte, aber das habe schliesslich auch hinbekommen. Darauf bin ich ein wenig stolz.

Mein erster Versuch wurde ein Flickenteppich aus alten T-Shirts. Ich habe dabei den Webstuhl kennengelernt und anschliessend kleine Fehler beim Einrichten korrigieren können.

Über den Winter liegt der Teppich in der Küche. Was mich freut: Der Gatte hat mehr davon bestellt.

Mutters Wolle / Textiles 1

Ich sitze auf dem Boden zwischen unzähligen Wollknäueln in allen Farben, wobei Wollknäuel nicht wörtlich zu verstehen ist. Es ist auch Baumwollgarn und Mischgewebe dabei und viel Verheddertes.

 

Mutter hat früher viel gestrickt, Pullover, Mützen, Handschuhe. An manche Wollen und Knäuel kann ich mich erinnern. Andere verblüffen mich: Was hat sie bloss daraus gestrickt?

So hocke ich nun hier und entwirre Mutters Fäden.

Meine Beziehung zu ihr hat sich in den vergangenen Jahren weitgehend entwirrt. Auch wenn die Knoten nur von einer Seite her gelöst werden, kommt man langsam zum Ziel. Vielleicht geht das sogar einfacher, als wenn an beiden Enden gezurrt und gezerrt wird.

Mein erster Plan war, ihre Wolle in kleine Quadrate zu häkeln und zu stricken, daraus sollte eine Decke werden. Kleine Stücke kann ich mit meinen angeschlagenen Händen produzieren.

Soweit bin ich bis heute gekommen.

Dann lachten mich neue Techniken an: Zuerst das Bandweben, dann das Weben überhaupt.

Inzwischen ist Mutter Urgrossmutter geworden und ich Grossmutter. Von Mutters Lebensfaden ist noch etwas übrig, aber nicht mehr viel. Ich nehme ihren Faden auf, werde in der Generationenfolge ihren Platz übernehmen. Vielleicht findet der eine oder andere Faden am Bett des Enkels einen neuen Anknüpfungspunkt.