4. Januar – 11. Raunacht

Nach Den Feiertagen und dem Weiterbildungs Tag gestern hat heute der Alltag wieder begonnen.

Zwischen acht und fünf, zwischen Montag und Freitag machen sich die Routinen gelegentlich selbstständig. Als wäre ich selbst nicht mehr nötig. Das kann dazu führen, dass ich in Gedanken ganz anders bin als in der Gegenwart.

Wenn ich innerlich abwesend bin, empfinde ich den Alltag als langweilig. Ich nehme ihn ja gar nicht wirklich war.

Seit dem dritten Kind habe ich mich immer wieder mit dem Alltag beschäftigt. Wie kann ich mir selber den Alltag schmackhaft machen, damit ich nicht von Feiertag zu Feiertag oder von Wochenende zu Wochenende lebe?

In den vergangenen Nächten ist mir die Bedeutung eines gewürdigten, gesegneten Alltags dringlich geworden. Im Alltag wird so vieles gewandelt: Verschmutztes wird sauber, Kaputtes wird geflickt, Ungeniessbares wird zum Lebensmittel und so weiter.

Alte T-Shirts in einen Teppich verwandelt

Wandel kann man als spirituellen Prozess verstehen. Insofern ist der Alltag voller bedeutungsvollen Tätigkeiten. Die Bedeutungen möchte ich sehen lernen.

Den Alltag begehen 1

Mein Alltagsmorgen beginnt mit Tee und der Pillendose.

Am Kopfende des Bettes richte ich die Kissen zurecht und setze mich zum langsamen eintrudeln in den Tag bequem hin. Am Fussende liegt der Pudel.

Die Pillendose für den heutigen Dienstag ist kaputt.

Meine Pillendose aus buntem Plastik ist zerbrochen. Sie ist in der Grösse handlich und hat doch genügend Platz für alle meine Pillen. Sie wirkt jetzt etwas schäbig.

Ob ich meinen Tagesanfang mit einer neuen, schönen Pillendose würdigen könnte?

Im Bad fällt mir auf, dass im Spiegelschrank ein einfacher, schöner Holzkamm liegt. Den benutze ich schon seit Jahren und ich mag ihn gut. Diesen Sommer habe ich mir auf einem Mittelaltermarkt einen Büffelhornkamm gegönnt. Auch er schenkt meinem Tagesbeginn etwas besonderes.

Einblick in den Spiegelschrank

In allen Kulturen unterscheiden Menschen zwischen Feiertag und Werktagen, Festtag und Alltag. Ebenso finden sich meines Wissens in allen Kulturen Mittel und Wege, den Alltag aufzuwerten.

Muster auf Kleidern, Dekorationen auf Geschirr und Besteck interpretiere ich so, dass Alltagsgegenstände nicht ausschliesslich nützlich sen müssen. Eine Spur Schmuck putzt dem Alltag heraus.

Gerne möchte ich hier festhalten, dass ich dieses Jahr regelmässig über den Alltag schreiben werde. Gerne möchte ich fest machen, dass ich wöchentlich beschreibe, wie ich dem Alltag seine würde geben konnte. Aber ich traue meinem Durchhaltevermögen nicht.

Ich beginne einfach damit, nicht mit dem Schreiben, sondern damit, dass ich meinen Alltag bewusster begehen, ihn schmücke und wertschätze.

2. Januar – 9. Raunacht

Loslassen, Lasten ablegen und erleichtert weitergehen.

Ich lege ab, viele Verantwortungen, die ich bereitwillig übernommen habe. Ich gebe sie in jüngere Hände und ziehe mich erleichtert etwas zurück.

Ich freue mich auf neue, andere Aufgaben, die meinen Kräften und meiner heutigen Situation entsprechen.

Sich etwas treiben lassen, statt alleine zu ziehen.

Seit Jahren beschäftigt mich immer wieder der Alltag. Was ist seine Qualität, wie kann sein Gewicht getragen werden?

Das Leben besteht nicht aus Abenteuern und Krimis. Es reihen sich viele alltäglichen Routinen aneinander. Wie werden öde Aufgaben mit Sinn und Wert angereichert? Wie kann ich den Alltag in Würde begehen?

Alltägliche Gegenstände und Orte werden geschmückt. Dadurch bekommen sie Gewicht.

Eigentlich „begeht“ man Feiertage. Durch den Alltag schlittert, eilt, keucht man. Aber begehen?

Morgen habe ich vor, den ersten Alltag nach den Feiertagen würdig zu begehen. Ich weiss noch nicht, was das heissen wird, wir werden sehen.

1. Januar – 8. Raunacht

Ein neues Jahr, Neujahr.

Wesentliche Veränderungen finden in meinem Beruf jedoch im August an, wenn die Schule beginnt..

Wandel - Wandlung
Wandel setzt lange
vor der Wandlung
ein.

Die Kämpferin ist müde,
die Füsse schwer,
die Haare grau.
Erst jetzt wird sichtbar:
Die Kämpferin ist alt.

Lasse ich mich ein auf das neue Ich? Das alte Ich? Die junge Kämpferin, die alles s chafft, weicht der Grossmutter und bleibt auch jetzt unterwegs.

31. Dezember – 7. Raunacht

Loslassen. Illusionen, Weltbilder, Selbstbilder.

Weltbilder können sich ändern, je nach Situation oder Lebensphase. Bevor in mir die Idee zum Weltenrund I auftauchte, hatte ich eben viele Bunte Stoffreste geschenkt bekommen. Später waren es Mutters Wollreste , aus denen ich nicht lauter Granny Squares häkeln wollte.

Weltenrund I
Weltenrund II
Weltenrund III Elemente
Loslassen wandelt 
Wandel verwirrt
Chaos erlauben
Einen Moment lang

oder zwei

Ruhe wiederfinden
Schneewellen, Sommarøy

30. Dezember – schon?

In der 6. Raunacht erinnere ich mich an den Juni des vergangenen Jahres und halte Ausschau auf den kommenden.

Mein Leben wird sich verändern, zunächst beruflich, aber das zieht auch privat Kreise. Werde ich die Herausforderungen bewältigen?

Esparsettenfalter

Dieses Jahr lasse ich mich unter anderem von inga-dalhoff.de durch die Raunächte begleiten. Die ordnet den Raunächten weibliche Archetypen zu. Heute ist es die Mutter.

Ich habe das Glück, dass ich Mutter werden durfte. Als stark kopflastige Frau konnte ich erleben, wie Emotionen sich von selbst entwickelten.

Aus dem Tschad

Noch immer kontrolliere ich meine Gefühlswelt stark, aber in Nächten wie diesen, erlebe ich Lösung, Erlösung.

Die Liebe zur Natur, die Kreativität und die Sensibilität hat mir meine Mutter vererbt. Inzwischen bin ich Grossmutter.

Ich wünsche mir, zu meinen erwachsenen Kindern und zu meinem Enkel eine ehrliche, unkomplizierte mütterliche Beziehung und freue mich darauf.

29. Dezember – 5. Raunacht

Die Raunacht des Monats Mai, Monat der Liebe lässt mich meine altbekannten Narben fühlen. Doch es muss nicht ewig bleiben, wie es immer war …

Yrd, Verdandi und Skyld, drei Schicksalsfrauen, die Nornen aus der Edda haben meine Gedanken gestreift, als ich ein Batt Wolle bei thewyrd.one gekauft hatte. Wyrd?

Aus den Batts habe ich Rollags gewickelt.

Urd/ Yrd/Wyrd – Schicksal, sie spinnt die Schicksalsfäden

Verdandi – das Werdende, in ihren Händen geschieht Wandel

Skyld – Schuld, das Sein sollende (englisch should)

Als Grossmutter seit fast einem Jahr, als Frau, die in Beruf, Haushalt nicht mehr voll leistungsfähig ist, steht mir die Verdandi nahe. Noch ist Wandel möglich, noch sind Entscheidungen möglich, noch ist Gelegenheit, Hand anzulegen an die Fäden des Schicksals.

Das Batt „Heidrun“ verstrickt.

Zum Beispiel indem ich meiner Lieblingstochter (ich habe genau eine) etwas Warmes um die Schultern stricke, als Umarmung.

Es sind sie kleinen Handlungen im Alltag, die den Wandel voran bringen.

Entdeckerfreude des Enkels