Wegzeichen

Zeichen am Wegrand

Auf Wegen durch Raum und Zeit

Ankommen bei sich

Norwegen, 66 Grad 34 Minuten um 21:45h

Zeit und Raum verknüpft

In Schritten und Herzschlägen

Mein Raum, meine Zeit

Auf der Reise durch Norwegen hat mich die Veränderung der Tageszeiten bewegt.

Von Süd nach Nord wurden die Tage länger, die Nächte heller und nicht mehr als Nacht erkennbar.

Auf dem Heimweg nach Süden beschleunigte sich die Veränderung: Die Nacht wurde täglich dunkler.

Unsere Reise führte und nicht nur durch den Raum von Norden nach Süden, sondern auch durch die Zeit vom Sommer zum Herbst. Genau genommen ist die Reise durch die Jahreszeiten eine Reise durch den Raum, durch den Weltraum.

Raum und Zeit als voneinander abhängig wahrnehmen, hat mich bewegt. Und es hat mich eingeladen, über meine Räume und Zeiten zu sinnieren.

Meditation

Setzen, sitzen
dich niederlassen

Atmen

Dein ganzes Gewicht
mit dem Ausatmen
dem Mittelpunkt der Erde
anvertrauen

Auch das Gewicht der Gefühle, der Ängste und auch das Durcheinander der Gedanken?

Atmen

Aber das Durcheinander klebt an mir. Wie mit Spinnfäden ist es an mich knotet.

Atmen

Dein ganzes Gewicht
mit dem Ausatmen
dem Mittelpunkt der Erde
anvertrauen

Mit dem Einatmen kommt es wieder hoch.

Atmen.

Ja, ja, ich mach ja.

Dein ganzes Gewicht
mit dem Ausatmen
dem Mittelpunkt der Erde
anvertrauen

Reise zum Mittelpunkt der Erde, um alle verlorenen Gewichte einzusammeln, die da hängen und kleben in den Spinnweben von dem Leben, das ich nicht weiter weben kann. Ich habe das Muster vergessen.

Sei still und atme.

Atmen.

Mein Gewicht mit dem Ausatmen
dem Mittelpunkt dem Erde hinterher schmeissen.

Sachte, sachte. Sei still und atme.

Und quatsch keinen Blödsinn.

Ich atme ein. Ich atme aus.

Und wenn du mich nervst, schalte ich deine Stimme aus! Dich kann ich stumm schalten, du Meditationsapp. Meine Gedanken nicht.

Wär auch zu einfach.

Atmen.

Augen öffnen.

Steh auf und …

Schon gut, danke, schönen Tag noch.

Ein Beitrag zum Lyrikmonat #lyrimo.

Übrigens hilft mir die App Balloon beim Meditieren, wenn es ohne nicht gelingen will.

Gedanken ordnen

Normalerweise ordne ich meine Welt mit Wörtern. Was in Worte gefasst ist, verliert seinen Schrecken. Es ist gefasst, wie ein Stein in Schmuck. So lose flattern mir Gefühle und Gedanken um die Ohren. In der Corona Zeit sind mir sogar die Worte durcheinander geraten.

Dann helfen mir Handarbeiten. Beim herstellen von schönen Sachen sind die Gedanken beiden Händen und beim Material. Glas, Garn, Stoff, Holz, Metall Papier oder einfach Farben.

Hasel- und Birkenkränze, rundes Gewebe „Weltbild“ in Arbeit

Jeder Stich jeder Strich, jeder Tupfer bekommt Bedeutung. Abstrakt oder symbolisch. So verliere ich mich weniger. Etwas ausprobieren und herstellen ist meine Therapie, es ist ein Aufräumen in der Seele.

Baumperle in eine Wollkugel gefilzt (in Arbeit) in einem selbst hergestellten Tongefäss.

Dabei entsteht, zugegeben, in der Wohnung viel durcheinander. Aber das Durcheinander der Dinge scheint mir weniger gefährlich, als das Durcheinander in der Seele.

Vielleicht lerne ich noch mit der Innenwelt auch die Aussenwelt zu ordnen. Oder ich nutze das Ordnen der Aussenwelt gleichzeitig für das Ordnen der Innenwelt.

Bandweben, in Arbeit