Sommersprossen (Sheyla)

Sommersprossen auf rundlichem Arm
Riechen nach Wiese und Kindertagen.
Wecken die Sehnsucht nach Sonnenschein warm,
Als wir noch glücklich in Blumen lagen.
Riechen nach Wiese und Kindertagen,
Rötlich die Haut und Häärchen so hell.
Als wir noch glücklich in Blumen lagen,
flogen die Stunden und Tage zu schnell.
Rötlich die Haut und die Häärchen so hell,
Mit Sommersprossen, so liebte ich dich.
Flogen die Stunden und Tage zu schnell,
denn dein rundlicher Arm umarmte mich.
Mit Sommersprossen, so liebte ich dich
Nun bist du fort, wer hält mich nun warm?
Denn dein rundlicher Arm umarmte mich.
Sommersprossen auf rundlichem Arm.
Glaskugel stellt den hellblauen Himmel, den Wald und das violette Blumenfeld auf den Kopf.

Ein Beitrag zum Lyrikmonat #lyrimo

Tag – ach zähl doch selber

Am Ostfenster mit Lensball, nein, eh – glassball. Nicht? Dann einfach Glas. Glas mit Wein. Glas mit Wein und weinen.

Den Druck von vier Wochen Fernunterricht ausweinen, das dauert. Dazu die Aussicht auf den Druck der kommenden Wochen, wenn sich die Schule schon wieder verändern wird. Erst verstärkte Digitalisierung, dann Öffnung.

Ich fühle mich überfordert. Zu viele Veränderungen in zu kurzer Zeit.

Bis vor den Frühlingsferien hatten wir uns eine bröcklige Routine erschaffen mit Schülern, Eltern und Kollegen. Nun sollen wir unsere Schule schon wieder neu erfinden?

So schnell wird die Schule nicht, wie sie war. Damals, als wir Lehrer noch Lachen und dumme Sprüche von den Schülern erhielten. Als wir noch lustige Fragen auf ungenügende Erklärungen und Gekicher auf Versprecher bekamen. Und als wir uns noch ganz real ärgern konnten.

Vor dem Bildschirm rede ich an eine Wand. Ich vermisse meine Schüler.

Vermissen

Ich vermisse das Vermissen.

Wenn ich von anderen höre oder lese (zum Beispiel bei
demenzfueranfaenger.wordpress.com oder bei @doppelleben@twitter.com), wie sie ihre verstorbenen Angehörigen vermissen, dann vermisse ich mein Vermissen.

Ich vermisse meine Grossmutter (die einzige, die ich kannte) nicht, nicht meinen Vater und werde wohl leider auch meine Mutter nicht vermissen. Das tut mir leid. Ich habe schöne und andere Erinnerungen, an sie, aber es reicht nicht zum Vermissen. Ich würde sie so gerne vermissen!

Wie ist es so gekommen? Meine jüngere Schwester und ich mussten früh emotional unabhängig werden. Die Launen der Mutter waren unberechenbar. Der Vater war in seiner Anwesenheit emotional oft abwesend. Und Omi? Ich hatte sie sehr gern. Sie war eine wohlerzogene, hoch gebildete beherrschte Frau. Sie kam aus einer anderen Welt. Das ist eine Geschichte für sich. Sie war wohl zu beherrscht, als dass sich genügend Wärme zum Vermissen hätte bilden können.

Wie auch immer. Ich lernte früh, mich einzuigeln, mich als Schildkröte in meinen Panzer zurückzuziehen. Die bindenden Fäden habe ich kräftig angeknabbert, damit es weniger weh tut. Und so gibt es heute keine festen Bindungen zu meinen Eltern. Das vermisse ich so sehr.

Ich vermisse das Vermissen.

Wenn ich dem tief nachfühle, so ist es fast das selbe wie:

Ich vermisse meine Eltern.

Aber nicht ganz. Ich vermisse die Beziehung, die wir hätten haben können.

Ich vermisse das Vermissen.