Zweite Raunacht

Still werden

Nicht die Feiern mit teuren Menschen
machen mein Leben laut.
Sorge und Sehnsucht
rufen unerbittlich.

Die Sorge will ich ziehen lassen,
vertrauen, dass sie ihr Ziel findet.

Der Sehnsucht folge ich zur Quelle.
Dorthin, wo DU zu mir sprichst:

Du bist meine liebe Tochter,
du gefällst mir. *

Gefalle ich dir?
Bin ich gut genug?

Du bist meine Tochter,
das ist genug.
Du bist mehr als gut genug,
Liebes.

(* Nach Henry J.M. Nouwen: „Nimm sein Bild in dein Herz“ und nach der Bibel: Matthäusevangelium 3,17)

Wer bist du

Impuls 16: Flickengedicht aus Rilkes Schutzengel

Der Vogel, der erwachte in der Nacht und rief:
den Namen in den Abgrund, tausend Nächte tief.

Er war am Anfang schon. Ich wurde langsam
und bang vor seiner Schönheit, scheu und unsichtbar.

Er hat mich oft gerufen, aus dem Verlorengehen und Fliehn.
Du: voll von Wundern und von Wissen, voller Melodien.

Du Vogel, unter dessen Flügeln
ich warm und sicher werde:
Erlaubst du, dass ich frage?
Wie heisst du?

Verloren

Beitrag zum #lyrimo 9 mit dem Impuls: Die Vorsilbe „ver-“ zu vertexten

Verloren
im verlogenen Schein
verlockender Fenster

Verloren
in verbogenen Pfaden
Verborgenen Schicksals

Verloren
verwirrt zwischen Welten
verirrt in Zeiten

Verloren
mein verdrückter
verrückter Mut

Ich finde dich wieder!

Zu Ehren von Rumpelstilzchen

Der neue Lyrikmonat heisst #lyrimo. Danke an Bea (@Morgaine620) Dagmar (@Traumspruch) für ihre Initiative.
https://lyrimo.wordpress.com/

Zu Ehren von Rumpelstilzchen

oder wie ich zu den Wörtern fand (Ein Rap)

Not Schmerz Druck

NOT SCHMERZ DRUCK

Not und Schmerzen drücken
dich zur Wand
quetschen aus dir raus,
was in dir steckt:

Not Schmerz Druck
NOT SCHMERZ DRUCK

Ach, wie gut, dass niemand weiss,
wie ich heiss.

Sie schmeissen dir Knüppel
in stolpernde Beine. NOT

Zerschnipseln die Seele
mit wirbelndem Messer. SCHMERZ

NOT SCHMERZ DRUCK
Not Schmerz Druck

Ach, wie gut, dass niemand weiss,
wie ich heiss.

Wörterfäden weben
heimliche Gespinste
wickeln ein die Klingen
stecken sie in Hülsen
Deckel drauf und zu.

Not Schmerz Druck
haben einen Namen
Sind darin gebannt.
Gebannt.

Ach, wie gut, dass ich weiss,
wie du heisst.

Glaubensbekenntnis

Wenn jemand sagt: „Ich glaube an dich.“ Oder: „Glaube an dich!“

Was ist damit gemeint?

Klingt irgendwie nach Leistung, nach „du schaffst das“. (Eine Prüfung, eine Aufgabe, einen Wettkampf oder so.)

Ziemlich oberflächlich.

Ich glaube, dass ich den Alltag bewältigen kann, dass ich die Tage beginnen und beenden kann in aller Schwachheit.

Ich glaube, dass ich den Weg zu mir selber und zu Gott immer wieder finden werde und daran, dass ich diesen inneren Weg auch gehen kann. Schritt um Schritt.

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Bild: Eine bearbeitete Seite aus: Elena Brower, entdecke dich, Das Achtsamkeits-Journal